Michael Ribeiro 

– 22.07.2020

Digitalisierung von IPMA®-Lehrgängen – die neue Erwartungshaltung

In jeder Krise steckt auch eine Chance – das können wir als Anbieter von IPMA®-Zertifizierungslehrgängen gerade gut beobachten.

Da wir bei TEAMWILLE schon einige Erfahrung mit virtuellen Formaten und Tools hatten, konnten wir direkt im März den ersten virtuellen Lehrgang durchführen. Dieser war sehr erfolgreich: Die TeilnehmerInnen waren überrascht, wie gut sich so ein virtuelles Training anfühlen kann, welche Flexibilität die Virtualisierung mit sich bringt und hinterließen entsprechend sehr positives Feedback.

Inzwischen sind knapp 5 Monate vergangen und wir alle haben eine sehr steile Lernkurve durchlaufen. Aus Trainersicht kann ich eines sagen: Die Digitalisierung der IPMA®-Lehrgänge hat uns bei der Moderation, den eingesetzten Tools und der didaktischen Umsetzung in eine andere Liga geführt. Durch internen Erfahrungsaustausch und gegenseitige Unterstützung haben unsere Trainer schnell einen guten Modus für die Online-Durchführungen gefunden. Bereichernd war dabei auch der Austausch mit unserem externen (Trainer-)Netzwerk.

Ganz besonders hervorheben möchte ich aus dem Anbieter- und Trainernetzwerk der GPM Berekat Karavul, der uns einen offenen Einblick in seine hochklassige technische Ausstattung gegeben hat, und Christoph Schauder, ein unermüdlicher Kämpfer um die besten Tools.

Aber nicht nur wir Lehrgangsanbieter und Trainer haben uns durch die Onlinetrainings in den letzten Wochen entwickelt. Auch bei unseren TrainingsteilnehmerInnen ist eine erhöhte „Online-Kompetenz“ spürbar, in der sich die zwischenzeitlich gesammelte Erfahrung mit virtuellen Formaten widerspiegelt. Als Konsequenz daraus steigen die Erwartungen an (unsere) Onlinetrainings. Eine schöne Herausforderung, der wir uns gerne stellen. Gleichzeitig erweitert sich auch der Spielraum, den man als Trainer in den Veranstaltungen hat, so erleben wir kaum noch „Digitale Verweigerer“, wie es sie bisher an der ein oder anderen Stelle gab, sondern eben Teilnehmer, die auch Interesse haben, sich auf neue Vorgehensweisen einzulassen.

Gerade kürzlich habe ich in einem IPMA® Level C/B Aufbaulehrgang eine (nicht repräsentative) Umfrage durchgeführt. Ich wollte wissen, welche Erwartungen die TeilnehmerInnen an die Digitalisierung von IPMA®-Trainings haben. Hier die Ergebnisse:

Eigener Charakter von Onlinetrainings

Es besteht nicht mehr die Herausforderung, die Schwächen von Onlinetrainings gegenüber Präsenztrainings zu kaschieren. Die Ergebnisse zeigen, dass es für die TeilnehmerInnen nicht wichtig ist, dass sich das Onlinetraining anfühlt wie ein Präsenztraining. Im Gegenteil: Onlinetrainings werden inzwischen positiv als eine eigene Veranstaltungsform wahrgenommen, mit eigener Charakteristik, die selbst einige Vorteile gegenüber Präsenzveranstaltungen hat. Diese Stärken müssen wir Trainer aufzeigen, nutzen und ausbauen.

Vergleichbare Effektivität

Die TeilnehmerInnen erwarten, dass ein Onlinetraining eine vergleichbare Effektivität wie ein Präsenztraining hat. Das war vor der Zeit der Kontaktbeschränkungen nicht so. Die Erwartungen an virtuelle Trainingsveranstaltungen waren weit weniger hoch, was durch das praktische Erleben leider in der Regel auch bestätigt wurde.

Zusätzliche Lerninhalte

Die TeilnehmerInnen erwarten neben dem Fachinhalt auch neue Anregungen für die Arbeit im virtuellen Raum. Es geht also um mehr als um die reinen Lerninhalte und das Projektmanagementwissen. Die Teilnehmer arbeiten ja gerade selbst in Projekten, die mit oder ohne Corona-Krise zunehmend standortübergreifend und internationaler werden. Für ihre Arbeit in diesem Kontext können die TeilnehmerInnen im Onlinetraining etwas dazulernen, das sie direkt umsetzen können. Das ist der Anspruch, den wir Trainer uns stellen.

Zukünftig erhöhter Anteil von Onlinetrainings

Ein klares Meinungsbild ergibt sich auch bei der Frage nach Onlinetrainings in der Zukunft. Die TeilnehmerInnen gehen davon aus, dass sich der Anteil von Onlinetrainings nach dieser Phase der „Zwangs-Digitalisierung“ erhöhen wird. Woher kommt das? Die Diskussion mit den TeilnehmerInnen weist eindeutig in eine Richtung: Wir alle haben gemeinsam erfahren, dass virtuelle Arbeit oder ganz allgemein virtuelle Veranstaltungen mit vergleichbarer Effektivität stattfinden können, dass sich aber ganz nebenbei zusätzliche Vorteile auftun. So entfallen beispielsweise Reisetätigkeiten. Selbst der Wechsel von einem Besprechungsraum zum nächsten ist nur noch ein Mausklick. Die Flexibilität erhöht sich enorm. Arbeiten, Lernen und Privates lassen sich so oft besser in Einklang bringen.

Was bedeuten diese Entwicklungen für die IPMA®-Lehrgänge der GPM?

Die autorisierten Trainingspartner der GPM bieten derzeit viele Lehrgänge als Onlinetraining an. Es ist ermutigend zu sehen, dass die Online-Formate erfolgreich sind. Aus unserer Erfahrung bei TEAMWILLE kann ich sagen, dass die Kurse vom Markt auch akzeptiert und teilweise gezielt nachgefragt werden. Insofern hoffen und erwarten wir, dass die GPM diese flexible Durchführungsform der Qualifizierungslehrgänge auch nach der Zeit der Kontaktbeschränkungen weiterhin zulässt. Sie bereichern das Lehrgangsangebot und bringen die deutschen Angebote auch auf Stand mit unseren unmittelbaren Nachbarn.

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Michael Ribeiro

Michael Ribeiro ist Mitentwickler und Programmleiter des MBA-Programms „Internationales Projektmanagement und Agiles Projekt- und Transformationsmanagement (MBA)“ an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) in Nürtingen. Seit 2017 ist er als Trainer und Produktmanager bei der TEAMWILLE GmbH und bringt dort seine breit gefächerte Berufs- und Projekterfahrung aus der Industrie und von seinen früheren Trainings- und Beratungsaktivitäten ein. Er fungierte 2015/16 als (Lead-)Assessor des Deutschen Project Excellence Awards der GPM, ist Mitglied der erweiterten GPM Regionalgruppe Stuttgart und wurde 2019 von der GPM als Benchmark-Trainer ausgezeichnet. Für ihn gibt es im Projektmanagement keine unterschiedlichen Lager, sondern nur effektive Ansätze.


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Michael Ribeiro ist Mitentwickler und Programmleiter des MBA-Programms „Internationales Projektmanagement und Agiles Projekt- und Transformationsmanagement (MBA)“ an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) in Nürtingen. Seit 2017 ist er als Trainer und Produktmanager bei der TEAMWILLE GmbH und bringt dort seine breit gefächerte Berufs- und Projekterfahrung aus der Industrie und von seinen früheren Trainings- und Beratungsaktivitäten ein. Er fungierte 2015/16 als (Lead-)Assessor des Deutschen Project Excellence Awards der GPM, ist Mitglied der erweiterten GPM Regionalgruppe Stuttgart und wurde 2019 von der GPM als Benchmark-Trainer ausgezeichnet. Für ihn gibt es im Projektmanagement keine unterschiedlichen Lager, sondern nur effektive Ansätze.