Reinhard Wagner 

– 07.02.2012

ISO 21500 "Guidance on project management" auf der Zielgeraden

Die Veröffentlichung der ersten internationalen Norm für das Projektmanagement steht bevor. Nachdem letzte Woche die Experten des ISO/PC 236 in Paris fast 600 Kommentare bearbeitet haben, wird die Norm im März als Final Draft International Standard FDIS an alle Länder für eine letzte Abstimmung geschickt. Mit einer breiten Zustimmung wird gerechnet, sodass der Veröffentlichung im Herbst nichts mehr im Wege stehen dürfte.

Damit geht eine ungewöhnlich lange Entwicklungszeit zu Ende. Im November 2007 haben sich erstmals Experten aus über 30 Ländern – darunter auch aus Deutschland – getroffen, um eine Norm für das Projektmanagement zu erarbeiten. Als Basisdokumente dienten damals Teile des amerikanischen Project Management Body of Knowledge PMBOK, die britische Norm BS 6079-1 „Part 1: Guide to project management“ und die DIN 69901-2 „Projektmanagement – Projektmanagementsysteme – Teil 2: Prozesse, Prozessmodell“ (Siehe auch „Neue deutsche PM-Normen setzen auch international Maßstäbe“ in projektMANAGEMENT aktuell 2/2009 und das Buch “DIN-Normen im Projektmanagement” auf der GPM Bücherliste). Aus diesen drei Normen wurde schließlich die ISO 21500 geboren, die auf ca. 40 Seiten die Terminologie, wichtige Konzepte für das Projektmanagement sowie ein umfassendes Prozessmodell für das Management einzelner Projekte umfasst. Die in der DIN 69901-2 erstmals dargestellten Ablaufdiagramme („swim lanes“), die einen möglichen Durchlauf vom Anfang bis zum Ende eines Projektes zeigen, finden sich in der ISO 21500 in einem informativen Anhang wieder.

ISO 21500 ist nicht dazu gedacht, die bestehenden nationalen Standards zu ersetzen. Darüber hinaus ist sie nicht für eine Zertifizierung oder als vertragliche Anforderung geeignet. Sie wird allerdings auf die Entwicklung nationaler wie internationaler Standards Einfluss haben. Hier zahlt sich auch die intensive Zusammenarbeit der Experten des ISO/PC 236 über solch einen langen Zeitraum aus. Der Dialog hat nämlich zu einer besseren Verständigung geführt und dabei geholfen, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede des Projektmanagement-Verständnisses in den verschiedenen Ländern herauszuarbeiten. Wenn die Norm im Herbst erscheint, werden wir hier im GPM BLOG ausführlich darüber berichten.

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Reinhard Wagner

Reinhard Wagner ist Ehrenvorsitzender der GPM und ehemaliger Präsident der IPMA International Project Management Association. Er berichtet über aktuelle Entwicklungen im Projektmanagement auf nationaler wie auch internationaler Ebene sowie über Neues aus der IPMA.


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Reinhard Wagner ist Ehrenvorsitzender der GPM und ehemaliger Präsident der IPMA International Project Management Association. Er berichtet über aktuelle Entwicklungen im Projektmanagement auf nationaler wie auch internationaler Ebene sowie über Neues aus der IPMA.