Werner Motzet 

– 01.10.2019

Leise Töne hört doch keine(r)?

In Anlehnung an das Thema des letzten Jahres („Mut“) hat sich der PMO Tag in diesem Jahr an ein wichtiges Thema herangengewagt: „Über die Arbeit und über leise Töne“. Wie passt das in unsere unruhige und laute Welt? Wir wollen doch mit unserem wichtigen Anliegen gehört werden.

Wie alle Experten sind auch wir in der Bundesagentur für Arbeit der Ansicht, dass die Herausforderungen unserer Zeit in unseren Unternehmen einen Wandel erforderlich machen. Gelingen kann dieser Wandel nur, wenn der mit einem echten Kulturwandel einhergeht. „Culture eats strategy for breakfast“ ist ein Zitat von Peter Drucker, das unser Vorstand Daniel Terzenbach gerne zitiert.

Welchen Stellenwert haben die „leisen Töne“ für uns in der Bundesagentur für Arbeit?

„Von oben Mitarbeiter unter Druck zu setzen, geht nicht lange gut." Zusätzlich geht es ja um eine „innere“ Haltung, das lässt sich nicht anordnen. Wie kann es gelingen? Wir setzen hier ganz auf die „leisen Töne“ wie intellektuelle Neugierde wecken und Lust machen. Und uns hilft dabei unser Menschenbild:

  • Wir akzeptieren unser Gegenüber in seiner Vielfalt,
  • jeder Mensch hat Stärken,
  • jeder Mensch trägt Selbstverantwortung
  • und strebt danach besser zu werden.

Neugierde zu wecken und Lust zur Mitarbeit bei der Weiterentwicklung zu machen, gelingt viel nachhaltiger durch die leisen Töne; Angebote statt Pflicht, Weitererzählen und persönlich einladen statt Weisung, das stellt den Menschen in den Mittelpunkt – und wer ernst genommen wird und den Sinn versteht, der/die tut sich auch leichter, etwas zurückzulassen und Neues zu erproben. Ganz besonders das Management ist gefordert, dies vorzuleben und erlebbar zu machen, was dieser Wandel bedeutet und welche Chancen darin stecken. All das geht nur leise, ja manchmal sogar lautlos und erfordert viel Aufmerksamkeit füreinander. Nicht die Hochglanzprospekte, sondern das echte Leben bringt weiter.


Wie erlebe ich das persönlich?

Mit meinen 62 Jahren gehöre ich ja zu einer Generation, der man nachsagt, dass sie nicht mehr so flexibel sei und lieber das Bewährte erhalten will. Daher freut es mich besonders, dass ganz viele Kolleginnen und Kollegen über 55 so viel Neugierde zeigen und sehr mutig „Bewährtes“ hinterfragen, mitgestalten und vorleben, was echte Lernkultur ausmacht. Genauso freue ich mich, dass „lebenslanges Lernen“ über alle Generationen gelebt wird, ganz unter dem Motto „Teilen macht reich“.


Wo sehe ich die großen Herausforderungen?


Geduld und Vision –
Wo es nicht auf Hochglanzprospekte (oder tolle PowerPoint-Folien) ankommt, sondern auf das echte, oft leise Leben, da kann schnell der Eindruck entstehen, es geht nichts vorwärts. Umso mehr, da der Fortschritt auch nur schwer messbar ist. Daher sehe ich es als die größte Herausforderung an, die Geduld auf allen Ebenen aufzubringen, die notwendig ist. Und diese Geduld gelingt nur, wenn sie mit Zuversicht und Zutrauen verknüpft ist. Nur wenn wir daran glauben, dass wir das miteinander schaffen, kann uns dieser Wandel gelingen – daher ist unsere Vision auch so tragend.

Transparenz – Die Bundeagentur als größte Sozialbehörde Europas hat eine große Verantwortung und steht im Fokus der Öffentlichkeit. Dabei ist es ganz wichtig, sowohl nach innen als auch nach außen transparent zu machen, wo auf unserem Weg wir gerade stehen, und zu erklären, was gerade passiert und was es bedeutet, „auf dem Weg zu sein“ und heute noch nicht alle Antworten zu kennen. Und das alles wieder mit leisen Tönen ohne großes Marketinggetöse.

Welchen Tipp würde ich geben?


Warte nicht – mach’s einfach. Ich höre öfter: „Bei uns geht das nicht, weil…“. Natürlich funktioniert keine Blaupause, überall ist es anders und doch gibt es einen einfachen Tipp:

Warte nicht (auf jemand oder etwas Anderen/s), sondern tu es. Jede Veränderung beginnt bei Dir selbst. Große Veränderungen gehen immer einher mit (vielen) kleinen Schritten.


Worüber möchte ich mich gerne mit Euch beim PMO-Tag austauschen?

Da ich „Un-Konferenzen“ liebe, verstehe ich uns alle als „TeilgeberInnen“ und freue mich auf Eure Erfahrungen zum Thema, zu Euren Herausforderungen und wie Ihr Eure Potentiale entdeckt und fördert. Und ganz besonders freue ich mich auf Eure Kritik und Widersprüche, dann davon lerne ich am meisten.


Werner Motzet ist Top Speaker beim PMO Tag 2019. Alle Informationen zur Veranstaltung und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier.

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Werner Motzet

Werner Motzet ist seit 2015 als „Katalysator” und Coach beim IT-Systemhaus der Bundesagentur für Arbeit tätig. Dabei greift er auf langjährige Projekterfahrung im internationalen und zum Teil auch regulierten Umfeld zurück. Seit 2015 erlebt er das Spannungsfeld von klassischer und agiler Arbeitsweise in einem agilen Framework mit knapp 200 Kollegen und seit 2017 unterstützt er zusätzlich bereichsübergreifend bei der Transformation und im Handlungsfeld „Kultur und Führung”.


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Werner Motzet ist seit 2015 als „Katalysator” und Coach beim IT-Systemhaus der Bundesagentur für Arbeit tätig. Dabei greift er auf langjährige Projekterfahrung im internationalen und zum Teil auch regulierten Umfeld zurück. Seit 2015 erlebt er das Spannungsfeld von klassischer und agiler Arbeitsweise in einem agilen Framework mit knapp 200 Kollegen und seit 2017 unterstützt er zusätzlich bereichsübergreifend bei der Transformation und im Handlungsfeld „Kultur und Führung”.