Christian Bernert 

– 13.01.2022

Von der Tradition zur Agilität

Unsere Gesellschaft steht vor riesigen Herausforderungen. Allein am Beispiel der Corona-Pandemie traten eine Vielzahl an offenen Baustellen zu Tage. Sei es in der digitalen Netzabdeckung, dem digitalen Bildungswesen, der Digitalisierung in öffentlichen Behörden oder bei Brüchen in den Lieferketten. Alles Baustellen, die in kürzester Zeit mehr oder weniger gut bewältigt werden mussten. Mit der Klimakrise stehen wir jetzt vor Megaaufgaben. Megaaufgaben die professionell gemanagt werden wollen, denn für deren Bewältigung steht uns nach wissenschaftlichen Erkenntnissen nur ein begrenztes Zeitfenster zur Verfügung. Was liegt da näher, als das Wissen und Knowhow modernen Projektmanagements für die Bewältigung dieser Herausforderungen in der gesamten Breite zu nutzen.

Dies wird gewiss kein Selbstläufer, denn das in diesem Zusammenhang wohl am häufigsten verwendete Wort lautet Agilität. Agilität bedeutet nicht nur, dass das Projektmanagement selbst dahingehend weiter ertüchtigt werden muss, sondern auch, dass das erforderliche Wissen mit mehr Speed in die Breite getragen wird. Große Unternehmen sind meist mittels Masse selbst in der Lage Agilität in Eigenregie im Unternehmen und in den Projekten umzusetzen. Dagegen fehlt es oft an der erforderlichen Unterstützung für den Mittelstand und beim Umbau der öffentlichen Verwaltung. Denn Agilität erfordert nicht nur eine Veränderung im Projektmanagement, sondern auch und vor allem eine Veränderung in der Unternehmens- und Verwaltungskultur, damit sich die volle Wirkung entfalten kann. Die wohl gebräuchlichsten Schlagworte in diesem Zusammenhang lauten Lean, Holokratie, Team of Teams, SAFe und LeSS, um nur einige zu erwähnen.

Bereits eine Studie der KPMG, IPMA und AIPM aus dem Jahr 2019 mit mehr als 500 Teilnehmenden aus 57 Ländern belegte, dass der Schwerpunkt des Projektmanagements in der strategischen Ausrichtung von Projekten liegt. Dies hat auch Auswirkungen auf die notwendigen Fähigkeiten von Projektmanagenden aber noch viel mehr auf die Unternehmenskultur. Demzufolge kommen auf die PMOs neue Schwerpunkte hinzu, wie Transformationsprogramme zu managen sowie diese zu koordinieren und zu steuern. Denn die Transformation gelingt nur wenn ein agiles Mindset in die Unternehmenskultur einfließt. Ein Mindset, das Raum für Planung aber auch den nötigen Freiraum für Flexibilität und Freiheit lässt. Ein PMO sollte aber in seinem Aufgabenbereich nie vergessen, ein Projekterfolg oder Misserfolg startet bereits mit der Offerte des Vertriebes. 

Ein modernes PMO nutzt die Möglichkeiten von Dashboards zur Automatisierung der Datenanalysen unter Verwendung künstlicher Intelligenz, um dadurch die agilen Handlungsfelder zu stärken. PMOs werden die zukünftigen Treiber für agile und adaptive Ansätze. Denn eine schnellere und aufschlussreichere Projektübersicht wird essenziell für eine strategisch agile Ausrichtung des gesamten Unternehmensportfolios. Die Ausbildungskonzepte müssen Skills jenseits der klassischen Projektmanagement-Methoden hin zu strategischem Handeln sowie interkulturellen und diversen Teamfähigkeiten verstärken. PMOs werden ihren Nutzen voll ausspielen, wenn sie nicht nur Einfluss auf die Unternehmenskultur, sondern auch auf deren darin verankerten Prozesse nehmen. Nur mit dieser Governance-Verantwortung werden sie die Schwerpunktverlagerung zum begleitenden Wandel in der Unternehmenskultur wahrnehmen können. Diese Aufgabenstellungen erfordern zusätzliche Führungskompetenzen der PMO-Leitung. 

Die Entwicklung agilen unternehmerischen Handelns erlebt gerade eine Blütezeit mit vielen neuen erfolgsversprechenden Ansätzen. Deshalb sollten so oft wie möglich die Erkenntnisse von Startups genutzt werden, die oft ganz selbstverständlich diese neuen Unternehmensformen ausprobieren und adaptieren. Sowohl beim Knowhow-Transfer, beim Aufbau und der Ausgestaltung von PMOs, als auch bei der Vermittlung aus dem Erkenntnisgewinn junger Startups, gilt es den Wissenstransfer zu nutzen.

Demographischer Wandel

In einer Zeit, in der wir so dringend Projekt Coaches zum Managen der bevorstehenden Aufgaben zur Eindämmung des Klimawandels benötigen, verstärkt der demographische Wandel die angespannte Situation noch zusätzlich. 


Wie das Diagramm des statistischen Bundesamtes zeigt, wird sich die Schere zwischen den Gestorbenen und Geborenen weiter verfestigen. Um diese zu schließen, wären ent­sprechend größere Netto­zuwanderungen erforderlich. Überall auf der Welt klafft eine immer größer werdende Lücke zwischen dem Bedarf an qualifizierten Projektmanagement-Fachkräften und deren Verfügbarkeit. Bis 2027 werden die Arbeitgeber weltweit 87,7 Millionen Personen in projektmanagementorientierten Funktionen benötigen. Diese Faktoren schaffen eine außerordentlich positive Beschäftigungsperspektive für qualifizierte Projektfachleute. Dieses Narrativ gilt es jetzt in die Gesellschaft zu tragen, um aus dem sich abzuzeichnenden Mangel Chancen zu generieren.

Wie kommen wir aus dieser sich abzeichnenden Klemme heraus?

Mit der Nettozuwanderung allein werden wir den prognostizierten Mangel nicht lösen. Daher werden wir uns verstärkt bemühen müssen Familie und Beruf besser als bisher in Einklang zu bringen. Nur wenn wir diese Basisvoraussetzungen schaffen, wird es uns gelingen viele Frauen für die Aufgaben im Projektmanagement zu begeistern. Dazu werden wir eine begleitende, neue agile Homeoffice Kultur in den Unternehmen, wie auch in der Gesellschaft benötigen.

Digitalisierung

Die Chancen der Digitalisierung erfordern in der Wirtschaft, den öffentlichen Behörden und dem Bildungssystem gewaltige Transformationsschritte, die mit den neuesten Projektmanagement-Methoden gemeistert werden wollen.

Mit Industrie 4.0, dem Netzausbau 5G, der Digitalisierung der Verwaltung, den digitalen Bildungsplattformen, der mit Meilenschritten voranschreitenden künstlichen Intelligenz, aber auch mit den Möglichkeiten der Block Chain Technologie, die ich bereits in meinem E-Book „Sponsorhandbuch Blockchain“ ausführlich behandelt habe, werden uns neue Möglichkeiten aufgezeigt, die es zu nutzen gilt. All diese neuen Technologien werden vermehrt Einzug ins Managen von Projekten halten.

Die Herausforderungen dies alles aktiv zu begleiten, bedeutet auch, dass beispielsweise dafür Online-Bildungsplattformen geschafft werden müssen, deren Lernmodule über standardisierte Schnittstellen austausch- und erweiterbar sind. Die Zeiten, in denen sich Teilnehmer im beruflichen Weiterbildungssystem noch für Tage oder Wochen im Präsenzunterricht weitergebildet haben, gehen zur Neige. Die Schwellgrenze, sich an steter Fortbildung zu beteiligen gilt es so gering wie möglich zu halten. Mit modernen digitalen Bildungsmedien lassen sich hervorragend Workshops und Seminare gestalten.

Zukunft gestalten

Diese Zukunft noch aktiver mitzugestalten, sei es bei Zukunftsinitiativen, Umwelt-, Forschungs-, Innovations- Verwaltungs- und Umweltprojekten muss der Anspruch aller aktiven im Projektmanagement tätigen sein. Die Normung des Projektmanagements sowohl national wie international muss intensiv in Zusammenarbeit mit der europäischen Wirtschaft vorangetrieben werden. Eine Projektnormung, die den Rahmen für eine weltweit, auf einheitlichen Definitionen und Maßstäben basierende Projektabwicklung erleichtert. Mit Kernmeilensteinen beginnend von der Angebotsphase bis zur Produkt-/Anlagenübergabe an den Endabnehmer.

Auch die Förderung mit Preisen für Umweltprojekte in Schulen und Universitäten wird ein probates Mittel sein, die Jugend und die Studenten für eine Karriere im Projektmanagement zu begeistern. Alle PM Institutionen mit ihrer Neutralität sind prädestiniert professionelle Benchmarks, branchenspezifisch und branchenübergreifend durchzuführen, um mit den Ergebnissen die Effizienz des Projektgeschäftes sichtbar zu steigern. Dabei gilt es auch die Kriterien für Maturity Level im Projektgeschäft weiterzuentwickeln, um auch mit Projekt Assessments zusätzlichen Mehrwert zu bieten. Gerade bei der Etablierung und Ausgestaltung von PMOs in Organisationen und Unternehmen sind PM Institutionen als beratende Dienstleister und Sparring Partner gefragt. Gerade der Bereich der digitalen Weiterbildung, der sich auf modularen, austauschkompatiblen Seminarplattformen etabliert, wird sich in der politischen Wahrnehmung als treibende Kraft der Transformation unverrückbar verankern.

Denn ohne die Kraft des Projektmanagements werden wir weder die anstehende Transformation noch die Eindämmung des Klimawandels, in dem uns zur Verfügung stehenden Zeitfenster nachhaltig eindämmen. Der GPM kommt – meines Erachtens – eine tragende Rolle dabei zu, diesen Transformationsprozess in Deutschland erfolgreich zu gestalten. 

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Christian Bernert

Direktor der Lean Program Management Academy. Als Promotor digitaler beruflicher Weiter- und Fortbildung liegen seine Schwerpunkte bei der Initialisierung von VR, KI & Block Chain im Projektgeschäft.


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Direktor der Lean Program Management Academy. Als Promotor digitaler beruflicher Weiter- und Fortbildung liegen seine Schwerpunkte bei der Initialisierung von VR, KI & Block Chain im Projektgeschäft.